Turbulentes Wochenende am Gurnigel

Die ganze Gurnigel Rennwoche gestaltete sich irgendwie eigenartig. Ich fand fast nicht Zeit, um den LobArt vorzubereiten, kam fast nicht aus dem Betrieb und auf der Hinfahrt muckte wieder mal der Teambus. Endlich im Fahrerlager angekommen, verlief alles normal und gemütlich. Mit dabei war der Martini für meinen Vater; der hatte aber seinen Platz im Zelt beim Start. Mit Zeltaufbauen, Einrichten, Wagenabnahme und einigen kleinen Arbeiten am Auto verflog der Freitag im nu.

Nach nächtlichen leichten Regenschauern waren die Waldpassagen bis zu unserem 1. Training noch nicht ganz trocken. Daher wollte ich noch nicht zu viel riskieren. Die Grundabstimmung war gut, obwohl ich im oberen Streckenteil noch einige Aussetzer des Motors zu beklagen hatte. Unter diesen Umständen war ich mit 1.50.06 zufrieden.

Doch dann geschah ein Zwischenfall, der nicht gerade förderlich war für ein erfolgreiches Wochenende. Nachdem die „Legenden“ ihren ersten Lauf im Anschluss an uns absolviert hatten, besuchte ich kurz meinen Vater Heinz im Zielraum. Ich wollte erfahren, welche Eindrücke er von seiner ersten Fahrt nach 20 Jahren hatte. Als ich bemerkte, dass die Rückführung bereits im Gange war, rannte ich zum LobArt zurück. Nur stand dieser nicht mehr wie vorher am selben Platz, sondern etwa 20 Meter weiter unten hinter Absperrgittern – in der Seite eines Autos. Die „autonome Fahrt“ hinterliess Schaden vom Frontsplitter bis zum Heckflügel. Doch der grösste Schaden entstand an Monika Fahrni in Form eines Beinbruchs, den sie am Montag operieren musste – gute und schnelle Besserung, liebe Moni! Zurück im Fahrerlager mussten wir zunächst alles notdürftig reparieren und konnten uns nur bedingt um die Abstimmung des LobArts kümmern.

Im 2. Probelauf war die Strecke bis auf die erste Kurve ganz abgetrocknet. Im ersten Wäldchen liess ich noch etwas Zeit liegen, sonst war es eine gute Fahrt in 1.42.68. Dies war vorerst Laufbestzeit, vor Eric Berguerand (Lola- F3000, 1.44.52), der aber durch den Dreher in der Zielkurve von Robin Faustini behindert wurde. Auch Thomas Amweg (Lola-F3000,1.52.61) wurde ebenfalls behindert, daher waren die 2-Liter-Fahrer Michel Zemp (Norma,1.50.58), Christian Balmer (Formula Master, 1.51.27) und Marcel Maurer (Formel Renault, 1.51.51) besser klassiert.

Im 3. Training versuchte ich mit leicht angepasster Fahrwerksabstimmung nochmals meine Zeit zu verbessern. Das Gefühl im Auto war soweit gut, aber die Laufzeit wurde leider nur um 2/100 Sekunden besser als zuvor. Eric (1.40.56) fuhr bereits 0.6 Sekunden an den Streckenrekord heran und Thomas (1.45.72) steigerte sich erheblich.

Der prognostizierte Regen setzte bereits am späteren Abend ein. So konnten wir den LobArt am Sonntagmorgen direkt auf die nassen Verhältnisse abstimmen. Als wir den Motor warmlaufen liessen, stellte ich mit Schrecken ein angerissenes Gaskabel fest. Ein weiterer Vorfall, der mich an einem guten Resultat beim Heimrennen hindern wollte! Mein Team improvisierte und reparierte den Schaden in kürzester Zeit und ich war bereit zum 1. Wertungslauf.

Nach dem trockenen Training bei angenehmen Temperaturen wusste ich nicht, was mich bei Nässe und fast winterlichen Bedingungen erwartete. Es war eine unheimliche Rutschpartie über die ganze Strecke, wobei ganz schlimm im unteren Streckenteil bis Posten 6. Mit meiner Zeit von 2.10.41 war ich überhaupt nicht zufrieden! Dies war gerade mal 5/10 Sekunden schneller als Roger Schnellmann (Mitsubishi Lancer) im schnellsten Tourenwagen. Durch einen Unterbruch trocknete die Strecke im Bereich „Las“ weiter ab, was den nachfolgenden Berguerand und Amweg schnellere Zeiten ermöglichte. Berguerand (2.12.70) haderte mit Schaltproblemen, aber Amweg (2.04.33) nutzte dies für sich und stellte die überlegene Bestzeit auf.

Über Mittag bis in den Nachmittag zeigte sich sogar ein wenig die Sonne. Dies führte zu einem Reifenpoker für den 2. Rennlauf. Aufgrund der Informationen vorher gestarteter Rennfahrer entschied ich mich für Slicks. Doch die Rückführung des vorangehenden Feldes verzögerte sich so lange, bis es wieder regnete. So mussten wir den LobArt wieder auf die Regenreifen zurückrüsten und ich startete bei sintflutartigem Regen. Der untere Teil war immer noch gleich rutschig wie zuvor, wobei ich oben raus etwas mehr Grip fand und ich mich auf 2.08.09 steigern konnte. Wie könnte es auch anders sein: Kaum im Ziel angekommen, ein weiterer Unterbruch wegen eines Drehers eines Konkurrenten, der Regen hörte auf und sogar die Sonne drückte durch.
Also wieder dasselbe Spiel und bessere Bedingungen für meine direkten Konkurrenten. Thomas (2.01.02) und Eric (2.02.76) nutzten diese Chance gnadenlos aus. Der später gestartete Roger (2.02.05) stellte das Podium nochmals auf den Kopf und verwies mich auf den 4. Platz. In der Addition der beiden Läufe gewann Thomas Amweg (4.05.35) vor Roger Schnellmann (4.13.03) und Eric Berguerand (4.15.46).

Mit diesem Resultat sicherte sich Eric die Schweizer Bergmeisterschaft 2019. Der Vizetitel ist mir auch sicher, wie auch Robin Faustini der 3. Platz. So werde ich auf das Rennen in Les Paccots verzichten. Ich freue mich aber auf die zwei abschliessenden Rennen in dieser Saison in St. Agatha (AT) vom 21./22. September und Mickhausen (DE) vom 05./06. Oktober!

Herzliche Gratulation an den Tagessieger und auch an den neuen Schweizer Bergmeister der Rennsportfahrzeuge!

Bis bald…
Marcel

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